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Fußball

  • Veröffentlicht: Samstag, 06. Februar 2021 00:09
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Die Abteilung Fußball und was daraus geworden ist.

Viele von uns erinnern sich mit Wehmut an die Zeit zurück, als wir im Verein zeitgleich noch drei Herren-, eine Damen- und eine eigene Seniorenmannschaft gemeldet hatten und zudem auch noch viele Jugendliche begeistert in einer Spielgemeinschaft dem Fußballspiel nachgegangen sind. Lange ist es her. Bemerkenswert dabei ist auch noch zu erwähnen, dass der größte Teil der Spielerinnen und Spieler hier aus dem Ort gekommen waren. Da waren nicht selten mehr als hundert Zuschauer auf dem Platz und unsere Ortschaft war leer, wenn auf unserem Sportplatz Fußball gespielt wurde. Da hatte sich noch der Ort mit der Mannschaft identifiziert und die Spielerinnen und Spieler mit dem Ort.

Da sind mehr Lengder mit zu Auswärtsspielen gefahren als wir zuletzt eigene Spieler und Zuschauer zusammen hatten, wenn ein Heimspiel bestritten wurde. In welcher Situation sich die Abteilung zurzeit befindet, ist wohl jedem bekannt. Die Frage, die ich aber hier zu beantworten versuche ist, wie konnte es dazu kommen?

Als ich den Vorsitz im Verein übernommen habe, hatten wir noch zwei Herrenmannschaften, die am Spielbetrieb teilgenommen haben. Es hat sich aber immer mehr herauskristallisiert, dass der Spielbetrieb nur mit einer wahnsinnig intensiven Betreuung und einem sehr hohen finanziellen Zuschuss aus der Vereinskasse aufrechterhalten werden kann. Das liegt zum einen daran, dass die zu entrichtenden Beiträge relativ hoch sind, wir Strafgeld für einen fehlenden Schiedsrichter zahlen mussten und die Aufwandsentschädigungen für die Übungsleiter nicht gerade günstig, aber für den Aufwand gerechtfertigt sind. Das alles zu erwirtschaften, war über die Vereinsbeiträge und Zuschauereinnahmen nicht möglich. Natürlich sind wir kein Sparverein und die eine Abteilung benötigt etwas mehr Geld und die andere etwas weniger. Trotzdem darf eine Abteilung den Verein aber nicht in ein finanzielles Defizit führen.

Wir haben weiterhin Hallenturniere und Prominentenspiele ausgerichtet und so die Abteilung im finanziell abgesicherten Fahrwasser gehalten. Zudem konnten wir andere finanzielle Aufwendungen über Spenden- und Sponsorengelder abfangen. Es hat sich aber dann ein Trend abgezeichnet, der für, meiner Meinung nach, alle Vereine in die falsche Richtung gelaufen ist. Eine fast gleichbleibende Anzahl an Vereinen muss sich mit einer immer geringer werdenden Anzahl an Spielen abfinden. Da kann auch ein eher limitierter Fußballer mal in eine höherklassige Mannschaft rücken, weil da die Spielerdecke sehr dünn ist. Dazu kommt, dass sich die meisten Spieler nicht mit dem Verein identifizieren, weil fast alle aus einer anderen Stadt oder aus einem anderen Ort kommen.

Wie sich die Lage zugespitzt hat, konnte man zum Beispiel beim Nachbarverein SV Schladen verfolgen. Die hatten im letzten Jahr einen Aderlass von sage und schreibe vierzehn Spielern, so etwas wünscht man seinem schärfsten Konkurrenten nicht. Dieser Trend hat uns auch erwischt. Wir und im Besonderen ich waren einfach nicht bereit, noch mehr in die Abteilung zu investieren, zumal bei etlichen Spielern zu erkennen war, dass es nur darum ging, den bestmöglichen Vorteil für sich selber herauszuholen. Nur dass wir uns da richtig verstehen, wenn heute jeder Spieler umgarnt wird, dann kann ich sogar die eine oder andere Reaktion verstehen. Wir wollten diesem Trend aber nicht folgen. Außerdem hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass sich auch unser Ort nicht mehr mit der Mannschaft identifiziert hat. Zu Spielen der zweiten Mannschaft hatten wir oft sogar fast keine eigenen Zuschauer, bei Spielen der ersten Mannschaft waren es oft nicht mehr als vielleicht fünfzehn. Das führte zuerst dazu, dass wir die zweite Mannschaft abmeldeten und mit dem TSV Lochtum eine Spielgemeinschaft gebildet haben. Als uns aber innerhalb eines halben Jahres mehrere Spieler verlassen hatten, konnten wir auch die Spielgemeinschaft nicht mehr aufrechterhalten.
 
Als es in die neue Saison ging, haben wir uns zusammengesetzt und die Spieler gefragt, wie wir weitermachen wollten. Wir hatten siebzehn feste Zusagen und noch zwei A-Jugendspieler, die bereits bei uns trainierten und auch ab der Rückserie spielberechtigt gewesen waren. Nach einstimmiger Absprache mit den Verantwortlichen und der Mannschaft wollten wir die Saison so durchziehen. Leider haben sich dann ein paar Spieler nicht an ihr Wort gebunden gefühlt und uns auf eine Art und Weise hängen lassen, die uns dann dazu bewogen hat, den Spielbetrieb einzustellen. Die sieben oder acht Spieler, die bis zum Schluss dabei gewesen sind, haben für immer meine Hochachtung und meinen Dank für ihr Engagement bei uns im Verein. Die Spieler aber, die uns hängengelassen haben, werde ich, soweit ich es beeinflussen kann, nicht mehr in unseren Verein aufnehmen, falls der eine oder andere es noch einmal versuchen sollte.
 
Ihr könnt sicher sein, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, wieder eine Fußballmannschaft für den TSV zu melden, oder evtl. eine Spielgemeinschaft mit einem befreundeten Nachbarverein einzugehen. Wo eine finanzielle Reise allerdings hingehen kann, wenn man sich als Verein zu sehr vom Fußball abhängig macht, konnten wir in der Goslarschen Zeitung lesen, als der 1. Vorsitzende Jens Bergmann über die finanzielle Situation beim FC Zellerfeld, in der Corona-Krise ausführlich berichtet hat. Da wird über ein Minus im fünfstelligen Bereich berichtet bei einer Zahl von gerade einmal einhundertsiebzig Mitgliedern.
 
Wenn bei uns wieder Fußball gespielt wird, dann wollen wir Spieler, die einfach nur Spaß am Fußball haben und sich bei uns wohlfühlen, ohne große Forderungen zu stellen. Bei uns ist jeder willkommen, der sich anständig verhält und dazu beiträgt, den Verein nach innen und nach außen gebührend zu vertreten. Dass soll aber nicht bedeuten, dass er kritiklos dabei ist, im Gegenteil, jede konstruktive Kritik kann uns nur weiterbringen. Solchen Spielern versprechen wir ein tolles, ruhiges Umfeld, gute Voraussetzungen mit einem schönen Sportheim, einer Sauna und Zuschauern, die sich auch Spiele der dritten Nordharzklasse ansehen und unsere Mannschaft anfeuern, wenn der Einsatz und der Zusammenhalt passt. Jetzt soll wieder der Spaß im Vordergrund stehen und nicht der sportliche Erfolg um jeden Preis. Gebt uns etwas Zeit, damit wir in Ruhe am Aufbau einer neuen Mannschaft arbeiten können.
 
Im Übrigen hat es mir mein Fußballerherz gebrochen und mich tief traurig gemacht, dass es sogar in der Schrift der neuen Kirchturmspitze nachzulesen ist, dass wir unsere Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet haben.
 
Zum Abschluss dieses Berichtes möchte ich mich bei allen bedanken, die der Abteilung bis zum Schluss die Stange gehalten haben, allen voran Jens „Momo“ Söchtig. Er hat mehr als ein Jahrzehnt die Abteilung geleitet und bis zum Schluss die administrative Arbeit übernommen.
Ich hoffe, Ihr habt Verständnis für unsere Entscheidung und könnt sie ein Stück weit mittragen. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten und Euch benachrichtigen, sobald wir wissen, wie es weitergeht.

Bis dahin und bleibt gesund

Euer Jürgen „Erwin“ Lindner

1.Vorsitzender

Benefitzspiel Hannover 96

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